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Tafeltuch Naila unter den 100 Schätzen Bayerns

Tafeltuch Naila unter den 100 Schätzen Bayerns

Naila - Die Stadt Naila und damit natürlich das Museum Naila hat ganz offiziell einen Heimatschatz: „Das Nailaer Tafeltuch, die Schlösserdecke“ ist  von einer Fachjury in die Liste der 100 Heimatschätze Bayerns aufgenommen worden. Das Ergebnis des Wettbewerbs, an dem sich 300 nichtstaatliche Museen mit 600 Exponaten beteiligten, macht Museumsleiter Wolfang Brügel wie auch Bürgermeister Frank Stumpf mächtig stolz. Die Top 100 der Heimatschätze sind Ergebnis eines Wettbewerbes, den der Freistaat im Januar gestartet hatte und der sich ausschließlich an nichtstaatliche Museen richtete. Das Heimatmuseum ist kommunal. „Aus 600 eingereichten Objekten sind 100 ausgewählt wurden“, informierte Brügel bei dem kleinen Empfang im Museum Naila, zu dem die drei Bürgermeister Frank, Stumpf, Adolf Markus und Werner Hick wie auch Vertreter des Museumvereins gekommen waren. Museumsleiter Wolfang Brügel nahm die Gäste mit auf eine Reise in die Vergangenheit, informierte über den Schöpfer des Tafeltuches: Karl Oskar Frohmuth, der am 25. Juni 1859 in Plauen geboren und 1877 Schüler der Kunstgewerblichen Fachzeichenschule beziehungsweise Königlichen Industrieschule zu Plauen war. 1891 gründete Frohmuth ein Handstickerei-Geschäft in Naila in der Kronacher Straße 43 und entwickelte daraus eine Manufaktur für Handstickerei, die die bis dahin übliche Handarbeit erweitert und völlig neue Möglichkeiten im Sortiment ermöglicht. „Für seine hervorragenden Stickerei-Arbeiten erhielt Frohmut 1896 auf der Bayerischen Landesindustrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung in Nürnberg eine Medaille und war im In- und Ausland bekannt für die Herstellung feinster Handarbeiten“, informierte Wolfgang Brügel und unterstrich dies mit einer Mitteilung in der Nailaer Zeitung Nummer 79 vom 30. Juli 1898, nach der die Königliche Hoheit Prinzessin Ludowiga von Bayern geruht, nach Ansicht einer Kollektion von Weißnäherei und Stickerei, Aufträge zu erteilen. Was auch geschah. 1913 präsentierte Frohmuth ein farbiges Tafeltuch von 14 Meter Länge, dass sechs Stickerinnen in sieben Monaten fertigten. „Bestimmt war dieses für das spanische Königshaus und weiter hieß es, dass dieses mit 60 Speise- und 40 Kaffeeservietten erweitert war und einen Gesamtwert von 28000 Reichsmark hatte.“ So viel Qualität zog nach sich, dass anlässlich des Besuchs Kronprinz Rupprechts von Bayern, Frohmuth vom Industrie- und Handelsgremium den Auftrag erhält, ein Geschenk zu fertigen, dass der Handstickerei des Frankenwaldes Aufmerksamkeit und Bekanntheit verschaffen könnte. Im Fabrikationshaus der Handstickerei in der Kronacher Straße saßen monatelang sechs bis acht Näherinnen aus Lippertsgrün über dieser Arbeit. „Als die Decke fertig war, wurde sie in eine riesige Faltschachtel gelegt und mit einer weißblauen Schleife versehen“, erzählte Brügel wie auch, dass durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges keine Übergabe des Geschenkes erfolgte. „Am 22. März 1944 starb Oskar Frohmuth als hochgeehrter Begründer und Förderer des heimischen Handstickereigewerbes in Naila.“  Der Museumsleiter weiß, dass die Schlösserdecke zu den Kostbarkeiten des Nailaer Museums zählt. „Es handelt sich um eine auf der Welt wohl einmalige Handstickerei, eine zirka acht Quadratmeter große Tischdecke im Format 457 mal 183 Zentimeter. „Eine Stickerei aus feinstem, dicht gewebten Leinen, eine kunstvolle, kostbare Handarbeit.“ Auf der Decke sind zwölf große Medaillons europäischer Schlösser sowie zwölf kleinere Medaillons mit Reiterfiguren dargestellt. Blumenranken und Streublümchen in Platt- und Damast-Sticktechnik sowie Bordüren in Rennel, verbinden die Darstellungen zu einer Einheit. Nach 73 Jahren Vergessenheit nimmt Wolfang Leonhard aus Emmendingen im Oktober 1987 Kontakt mit der Stadt Naila auf und bietet die Decke an.  Dass das Nailaer Tafeltuch, die Schlösserdecke“ einer der Heimatschätze ist, beschert dem Museum ein Preisgeld von 1000 Euro. Zudem erhielt das Museum eine Urkunde und der Heimatschatz wir in einem Buch veröffentlicht. Der Museumleiter Wolfgang Brügel nahm die Auszeichnung in München selbst entgegennehmen. Das Museum Naila hatte noch zwei weitere Objekte ins Rennen geschickt: die Klöber Schuhkollektion und die Apothekerkanne aus der Werkstatt von Philipp Erh. Dittmar. Bürgermeister Frank Stumpf weiß um das Alleinstellungsmerkmal und den „besonderen Schatz“ der Schlösserdecke und dankt Museumsleiter Wolfgang Brügel für sein Engagement, das zuvor Dr. Marion Soganci schon einbrachte. „Sie brachten und bringen viel Zeit, Energie und Aufwand ein, um die verschiedenen Schätze zu erhalten und ins öffentliche Licht zu rücken und dazu zählen auch die Schusterausstellung und natürlich der Fluchtballon.“ Bürgermeister Stumpf unterstreicht, dass die Exponate kulturelle Werte darstellen, eben Schätze sind. „Die Schlösserdecke wird auch in den neuen Ausstellungsräumen des ehemaligen Weka-Gebäudes ihren Platz haben, wie auch der Fluchtballon und vieles weitere mehr und dort wird auch mehr Platz zur Präsentation vorhanden sein.

Unser Bild zeigt beim Empfang anlässlich des „Nailaer Tafeltuches, die Schlösserdecke“ zu den 100 ausgewählten Heimatschätzen der nichtstaatlichen Museen in Bayern (von links) Birgit Kaiser, Museumsleiter Wolfgang Brügel, Hans Sahrhage, Bürgermeister Frank Stumpf, Ralf Büntig, Gerlinde Baderschneider, Adolf Markus, Helga Stampf und Werner Hick.

Museumsleiter Wolfgang Brügel mit der Urkunde und dem Foto der Auszeichnung in München.
Genaues Betrachten des Tafeltuches, von dem trotz intensiver Recherchen die zwölf Ritterdarstellung weiter unbekannt sind. Ein Medaillon konnte 1995 geklärt werden. Es handelt sich um eine Szene aus dem Gemälde des Moritz von Schwind mit dem Titel der „Falkensteiner Ritt“.  Unser Bild zeigt (von links) Wolfang Brügel, Birgit Kaiser, Frank Stumpf, Gerlinde Baderschneider und Adolf Markus.

Blick in die Geschichte – Wolfang Leonhard schildert den Weg des Tafeltuches. „Die Decke wurde Mitte der 20er Jahre von meinem Vater Curt Leonhardt, den Inhaber der Firma C.F. Leonhardt, Papier-, Karton- Faltschachtel-Fabrik in Crossen an der Mulde, Sachsen, in Naila erworben. Beim Kauf wurde im mitgeteilt, dass überhaupt nur drei Decken dieser Art hergestellt worden seine. Davon sei eine Decke an den Hof nach Spanien geliefert worden, eine Decke nach Amerika. Die dritte kaufte mein Vater. Sie wurde bei besonderen Familienfestlichkeiten nur zur Dekoration aufgelegt. Nach dem Krieg verblieb uns die Decke und ich ging mit meiner Familie damit nach dem Westen. Hier haben wir für die Decke keine Verwendung mehr. Ich freue mich sehr, dass die Decke nun wieder an ihren Herstellungsort, ihre Heimat zurückgekehrt ist. Dort können die Menschen sehen, welch ganz herrliche Stickkunst einmal in Naila gepflegt wurde.“ Die Decke wurde 1987 mit Hilfe von Spenden und der Oberfrankenstiftung zum Preis von 23000 D-Mark erworben. Die Decke blieb bis 1995 im Tresor der Stadt Naila, wird im selben Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht in einer extra angefertigten Vitrine.

 

Quelle: Lokalredaktion

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