8. April 2022 / Leupoldsgrün informiert

Bericht über Heidi Lange

Leupoldsgrün informiert ...

Leupoldsgrün. von Heike Sommermann

„Es war einmal….“ Fast jeder kennt die berühmten ersten drei Worte vieler Märchen. Aber sind Märchen zeitgemäß? Ja - denn gerade in der heutigen Zeit der digitalen Medien hat das analoge Erzählen einen enormen Stellenwert. Im Dezember 2016 wurde das Märchenerzählen durch das Expertenkomitee „Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission“ sogar in dessen bundesweites Verzeichnis aufgenommen. In Leupoldsgrün bei Hof lebt die Märchenerzählerin und Autorin Heidi Lange, die Ende 2021 ihr erstes Buch „Lichtmond“, einen Märchenroman, veröffentlichte.

Ein sonniger Freitagnachmittag. Auf dem Weg zu meiner Interview-Partnerin laufe ich eine schmale Straße am Ortsende von Leupoldsgrün entlang. Ein rot getünchtes Holzhaus mit der Hausnummer 19 in einem „verwunschenem“ Garten ist mein Ziel. Noch bevor ich klingele, öffnet sich die Tür und die Langes, Heidi und ihr Mann Christian, bitten mich freundlich in ihr gemütliches Heim. Bei Kaffee und noch warmen Buchteln erzählen sie mir Heidi´s Geschichte. Wie wird man Märchenerzählerin und Schriftstellerin? „Das Schreiben selbst liegt mir schon immer.“, verrät sie mir. Aber beginnen wir von vorne. Heidi Lange stammt eigentlich aus Pegnitz, kam aber schon mit 17 Jahren zur Ausbildung in die Hofer Gegend. Märchen begeisterten sie schon als kleines Mädchen und waren, wie bei vielen ihrer Generation, auch ihre erste Literatur. Gemeinsam entdecken und lesen - das genießt die 61-jährige inzwischen zusammen mit ihren beiden Enkelkindern und fand dabei auch selbst wieder zu den althergebrachten Erzählungen zurück. Dass Märchen erzählen nicht gleich Märchen erzählen ist, erfährt man spätestens bei der Eingabe von entsprechenden Schlagwörtern im Netz. Es gibt unzählige Tipps zum Vorlesen oder frei erzählen von Märchen, um seine Zuhörer gänzlich in den Bann zu ziehen. Die Leupoldsgrüner Märchenerzählerin hat mich schon gefangen - ich ertappe mich dabei, wie ich Heidi Lange an den Lippen hänge. Ihre Art zu erzählen ist lebendig, interessant und fesselnd. Sie spricht mit angenehmer Stimme und bedacht. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr Kinder und Erwachsene gerne lauschen. Heidi Lange interessierte sich für das Erzählen, wollte Märchen zum Leben erwecken und meldete sich 2018 an der Sebastian-Kneipp-Akademie in Bad Wörishofen zu einer Weiterbildung als Märchenerzählerin an. Nach insgesamt 5 Lernblöcken, mehreren schriftlichen und abschließend einer großen „Erzähl“-Prüfung vor mehreren Klassen einer Grundschule im Ausbildungsort, durfte sich die sympathische Leupoldsgrünerin dann ganz offiziell „Märchenerzählerin“ nennen. Sie hat viel gelernt bei dem Lehrgang, der rund 15 Monate dauerte. So ging es beispielsweise um die versteckten Lebensweisheiten in den Märchen, der Wirkung von Sprache und Gesten und die Findung des eigenen Erzählstils - und darum, Märchen frei erzählen zu können. Seitdem hat Heidi Lange sage und schreibe 32 Märchen, überwiegend aus der Sammlung der Gebrüder Grimm, aber auch welche aus anderen Ländern, auswendig gelernt und kann diese frei erzählen. Um ein Märchen zu einem wirklichen Erlebnis zu machen, gibt es viele kreative Hilfsmittel. Requisiten, wie stimmungsvolles Kerzenlicht, Stoffbahnen, welche den Erzähl-Ort in ein Mini-Märchenreich verwandeln oder vor allem für Kinder auch Handpuppen, wie Oswald, den Fuchs, von dem ich eine kleine Kostprobe bekomme. In den Genuss, ihr zuhören zu dürfen, kamen außer ihren Enkeln oder Geburtstagsgästen auch Kindergartenkinder oder Erwachsene bei einer Märchennacht.

Die Fortbildung zur Erzählerin inspirierte Heidi Lange auch zum Schreiben ihres ersten Buches „Lichtmond“. Viel freie Zeit durch Corona begünstigte das Unterfangen. Das Buch mit 416 Seiten ist ein literarisches, märchenhaft versponnenes Plädoyer für gegenseitige Rücksichtnahme und Handeln zum rechten Zeitpunkt. In dem Werk, das zu einer Zeit spielt, als die Menschen in ihren strohgedeckten Weberhäusern in den Senken von Fichtelgebirge und Frankenwald lebten, geht es um Johan, einen jungen Handweber, der voller Tatendrang in sein Heimatdorf zurückkehrt und sich dort vielen unerwarteten Veränderungen und Aufgaben stellen muss. Gibt es die Schicksalsfrau, die das Böse spinnt, wirklich? Und was hat es mit den Zwergen auf sich, die in Erdhöhlen beim Todesfelsen leben? Das Buch mit dem großen, goldumsponnenen Lichtmond und den dunklen Bäumen auf dem Cover, zieht mich jedenfalls schon nach den ersten wenigen Seiten in seinen Bann. So werde ich mich wohl auch bei Heidi Langes erster Märchen-Nacht oder einem anderen Märchen-Abenteuer, welche bald wieder veranstalten möchte, wiederfinden, und ihr gespannt lauschen.

Das Buch ist auch im Leupoldsgrüner Rathaus erhältlich.

Foto: Gemeinde Leupoldsgrün
Quelle: Gemeinde Leupoldsgrün

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