18. November 2021 / Bad Steben informiert...

Volkstrauertag in Bad Steben

Bad Steben informiert ...

Bad Steben. „Hier hält die Menschlichkeit die Ehrenwacht“ ist auf dem Gedenkstein im Bad Stebener Friedhof zu lesen. Das Mahnmal aus Granit in der Mitte einer langen Gräberreihe erinnert an den Tod von 20 unbekannten KZ-Häftlingen, die hier im Mai 1945 nach Kriegsende ihre letzte Ruhestätte fanden und die von der Kommune seither gepflegt wird.
Auch heuer wurde am Vortag des Volkstrauertages dieser Opfer des Naziregimes gedacht, zu der Jugendliche von Feuerwehr und BRK-Bereitschaft anwesend waren. Pfarrer Horst Bergmann erinnerte in seinem Gedenken an die Vorgeschichte dieser Tragödie, die ihm ein Zeitzeuge, der heuer verstorbene Altbürgermeister Hellmut Nietner, erzählt hatte. Demnach handelt es sich bei den unbekannten Toten um Insassen des KZ Buchenwald, die den sogenannten „Todesmarsch“ in Richtung Flossenbürg in der Region wegen Hunger, Erschöpfung oder Gewalteinwirkung ihrer Peiniger und Aufseher nicht überlebt haben und notdürftig am Wegesrand verscharrt worden sind. Nach Kriegsende mussten die Toten auf Geheiß der US-Militärregierung von regionalen Nazi-Größen ausgegraben und eingesargt werden. Unter großer Beteiligung der heimischen Bevölkerung wurden die Toten auf dem Bad Stebener Friedhof zu Grabe getragen. Mit anderen Jugendlichen läutete Nietner damals die Glocken der Lutherkirche und konnte vom Kirchturmfenster das traurige Geschehen des Leichenzuges von Lichtenberg her und das folgende Massenbegräbnis gut beobachten. „Vor Gott ist jeder Mensch gleich geliebt und wertvoll“, so Pfarrer Horst Bergmann.
Nach dem Gottesdienst in der Lutherkirche anlässlich des Volkstrauertages versammelten sich die Gläubigen und die Vertreter der örtlichen Vereine zu einer Gedenkfeier am Ehrenmal im Kirchenpark. Das Gedenken an die Toten zweier Weltkriege und Gewaltherrschaft wurde vom Posaunenchor unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Stefan Romankiewicz musikalisch umrahmt.
Bürgermeister Bert Horn erinnerte an die Geschichte des Gedenktages, der seinen Anfang im Jahr 1919 hatte. Vom damaligen „Heldengedenktag“ gab es dann beim Wiederbeginn im Jahr 1952 eine Abgrenzung zum Volkstrauertag und neben den Kriegstoten wird auch der vielen Opfer des Naziregimes gedacht, die Versöhnung mit in den Mittelpunkt gestellt. Daran erinnerte auch Pfarrer Horst Bergmann. Mit der vom Posaunenchor intonierte Nationalhymne endete die Gedenkfeier.

Foto: Reinhold Singer
Quelle: Markt Bad Steben