18. Dezember 2025 / Veranstaltungen

Herr Schröder „Der Rest ist Hausaufgabe“

Interview mit Herr Schröder

Hof. Herr Schröder „Der Rest ist Hausaufgabe“ 
01.05.2026 Hof   
Freiheitshalle, Kulmbacher Str. 4, 95030 Hof
Einlass: 19:00 Uhr   Beginn: 20:00 Uhr
Tickets: An allen bekannten VVK-Stellen oder online unter www.agentur-streckenbach.de
Örtl. Veranstalter / Infos: www.agentur-streckenbach.de / Tel.: 09562-7844025

Herr Schröder kommt am Freitag, den 01.05.2026 um 20:00 Uhr mit seinem Programm „Der Rest ist Hausaufgabe“ in die Freiheitshalle nach Hof.

Herr Schröder, der dienstälteste Junglehrer und Mensch gewordene Overhead-Projektor, präsentiert seine neue Doppelstunde „Der Rest ist Hausaufgabe“. 
Dabei leuchtet er den Weg in ein besseres Futur II und verleiht uns die Lehrkraft, die wir alle brauchen. Denn Schule heute ist ein Gruppenpuzzle mit 1000 Teilen. Es zu lösen gleicht der Quadratur des Stuhlkreises.
Freuen Sie sich auf den Silberstreif am Erwartungshorizont, wenn es heißt:
„Tablets raus, einloggen und mitmachen. Auch in der letzten Reihe! Und wenn wir nicht ganz fertig werden: Der Rest ist Hausaufgabe!“

Johannes Schröder alias Herr Schröder ist studierter Deutschlehrer und Comedian/Kabarettist. Was sich wie ein Widerspruch anhört, ist letztlich eine humoristische Form der Selbstverteidigung. Nach zwölf Jahren Schuldienst und dem Nebenjob als Pausenaufsicht setzte sich Johannes Schröder das Ziel, ein eigenes Comedy- und Bühnenprojekt zu realisieren. So zog es den Deutschlehrer 2014 von Offenburg nach Toronto, Kanada, wo er in zahlreichen Comedy-Clubs das Einmaleins der Punchlines erlernte. Zurück in seiner Geburtsstadt Berlin, begann er sein erstes Soloprogramm zu schreiben. Mit seinem Debüt „World of Lehrkraft – Ein Trauma geht in Erfüllung“ tourte nun „Herr Schröder“ erfolgreich durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. 
Mit seinem zweiten Programm „Instagrammatik“ ging Herr Schröder dann endgültig auf Erfolgskurs: Nicht nur, dass er die Arenen der Republik füllt; seine verrückten, kreativen und lehrreichen Reels in den sozialen Netzwerken lassen seine Fanbase stetig wachsen, seine Shows sind in kürzester Zeit restlos ausverkauft. Herr Schröders umarmender Humor macht den Wahl-Kölner zum Insta-Helden, und seine große Community feiert täglich seinen Output – samt Overhead-Projektor. Im Juni 2024 lud Herr Schröder zudem zur größten Nachsitzen-Stunde Europas ein und feierte die größte Schulparty mit „Instagrammatik“ in der Rudolf Weber-ARENA in Oberhausen.

2025 steht das dritte Bühnen-Solo an, namens „Der Rest ist Hausaufgabe“. Wer bis dahin nicht auf Herr Schröder verzichten möchte, kann den neuen Podcast „Nachsitzen mit Herr(n) Schröder!“ auf RTL+ hören und abonnieren – oder überall, wo es Podcasts gibt. Hier bittet Herr Schröder prominente Problemschüler auf die Schulbank.

Herr Schröder gewann zahlreiche renommierte Preise wie den „Stuttgarter Besen“ oder den „Prix Pantheon“ und ist regelmäßig im TV zu sehen, etwa bei „Die besten Comedians Deutschlands“ (SAT.1), „Nuhr im Ersten“ (ARD), „Nightwash (RTLII) „Till Reiners' Happy Hour“ (3SAT), „Mitternachtsspitzen“ (WDR) oder in der „NDR Talk Show“ (NDR). Zudem zeichneten die Firmen STARKLfilm und die hb all productions GmbH das Solo „Instagrammatik“ im Auftrag des WDR fürs Fernsehen auf. 
Sein erstes Buch „World of Lehrkraft – Ein Pädagoge packt aus“ erschien 2019 im Ullstein Verlag und wurde ein Spiegel-Bestseller. 2021 folgte das zweite Erfolgswerk „Instagrammatik – Das streamende Klassenzimmer“.

„Der Overhead-Projektor ist der Rollator für Studienräte“

Wie der preisgekrönte Comedian und Lehrer Herr Schröder mit analoger Technik gegen digitale Überforderung ankämpft

Johannes Schröder alias Herr Schröder hat eine klare Mission: Mit dem Overhead-Projektor will er unterhaltsame Lernerlebnisse vermitteln, die allen weiterhelfen. Am Freitag, 01. Mai 2026, um 20 Uhr präsentiert der preisgekrönte Comedian in der Freiheitshalle Hof sein drittes Soloprogramm „Der Rest ist Hausaufgabe“. Im Interview spricht der wohl lustigste Deutsch- und Englischlehrer Deutschlands über die digitale Überschwemmung durch TikTok und Instagram, warum Schule immer ein Stück weit scheiße bleiben muss, seine Schulängste als 16-Jähriger sowie über die paradoxe Erkenntnis, dass wahre Freiheit in der Begrenzung liegt.

Herr Schröder, Ihr neues Programm heißt „Der Rest ist Hausaufgabe“. Der Titel klingt ein bisschen nach dem berühmten Hamlet-Zitat „Der Rest ist Schweigen“ oder ist das eher eine typische Lehrerfloskel, mit der man den Unterricht beendet? 
Herr Schröder: Ganz richtig erkannt! Es ist tatsächlich beides. Zum einen eine kleine literarische Anspielung auf Shakespeares berühmte Sterbeszene, in der Hamlet mit diesen Worten aus dem Leben scheidet. Zum anderen aber natürlich auch ein Spruch, der direkt aus dem Schulalltag gegriffen ist, dieser Klassiker, mit dem Lehrer die Stunde beenden: „Der Rest ist Hausaufgabe“. Es hat etwas Ominöses, etwas Unerledigtes, das noch auf einen wartet. Und genau darum geht es auch in meinem Bühnenprogramm: Was ist eigentlich dieser „Rest", der in unserem Leben noch Hausaufgabe ist? Was haben wir noch nicht gelernt, noch nicht verstanden oder vor uns hergeschoben?

Lässt sich das konkretisieren? Welche Hausaufgaben erhält das Publikum von Ihnen? 
Herr Schröder: Es gibt Hausaufgaben auf allen Ebenen. Überall dort, wo uns im Bildungswesen oder auch in anderen Bereichen noch etwas fehlt, was wir immer noch tun müssen. Zum Beispiel ist es natürlich eine große gesellschaftliche Hausaufgabe, dass wir uns mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen müssen, auch wenn das für viele eine beängstigende Vorstellung ist. Aber da werden wir nicht drumherum kommen. Das sind die kleineren und größeren Hausaufgaben unserer Zeit. Auch die Pubertät ist etwas, das im Grunde nie aufhört. Die Herausforderungen, die uns dort auferlegt werden, begleiten uns ein Leben lang. Es geht also um den „Rest", um die Aufgaben, die noch anstehen. Einen Teil davon bewältigen wir, aber vieles bleibt eben unerfüllt oder unvollendet.

Das klingt nach einer Art Sisyphos-Aufgabe, die der Lehrer da zu bewältigen hat. 
Herr Schröder: Ganz genau. Und wie Sisyphos, der in der griechischen Mythologie ewig einen Felsblock den Berg hinaufrollt, schiebe auch ich meinen Overhead-Projektor auf einen Berg hinauf, und immer wieder rollt er runter (lacht). Das ist im Grunde genau das Bild. Motivation kommt ja vom lateinischen „movere“, was „bewegen“ bedeutet. Und so bewege ich mich durch die Schullandschaft mit meinem Overhead-Projektor, diesem mittlerweile nostalgischen Unterrichtsgerät. Ich habe damit Umfragen in Weimar gemacht, bin bis nach Pisa gefahren und das alles ist Thema in meinem Programm „Der Rest ist Hausaufgabe". Es geht genau um diese Sisyphos-Arbeit des Lehrerdaseins.

Sind Overhead-Projektoren heutzutage eigentlich noch im Einsatz oder gibt es da nicht hauptsächlich Smartboards? 
Herr Schröder: Der Overhead-Projektor ist der Rollator für Studienräte, also eine Art Gehhilfe, die man heimlich noch braucht. Und insofern ist er an allen Schulen immer noch vorhanden. Wenn Sie einen Schulleiter fragen: „Haben Sie noch Overhead-Projektoren?“, würde er natürlich sofort sagen: „Auf gar keinen Fall, wir sind doch modern!“ Aber öffnen Sie das erstbeste Klassenzimmer – was steht in der Ecke? Ein Overhead-Projektor (lacht). Das Gute daran ist: Wir als Lehrkräfte fühlen uns dabei technisch nicht überfordert. Beim Smartboard und anderen modernen interaktiven digitalen Geräten hinken wir dagegen hinterher. Die geben uns ständig das Gefühl, dass wir nicht gut genug sind. Aber beim Overhead-Projektor sind wir auf Augenhöhe.

Ist er sozusagen das Faxgerät der Schule? 
Herr Schröder: Ja, genau (lacht). Er ist das Faxgerät der Schule. Diese alten Geräte, bei denen  eigentlich niemand mehr zugeben will, dass er sie noch verwendet, aber die dann doch überall herumstehen. Ich erinnere mich an diese Stunden, in denen man die Folie viermal gewendet hat, bis man endlich die richtige Projektion hatte. Erst spiegelverkehrt, dann falsch herum, dann zu klein und dann noch schlecht abkopiert – da waren schon mindestens zehn Minuten Unterricht vorbei. Aber dafür war es greifbar: dreidimensional, weil man die Folie in der Hand hielt, aromatisch durch den typischen Marker-Geruch, und irgendwie ehrlich und klar. Beim Smartboard dagegen weiß ich oft gar nicht mehr, was selbst gemacht ist und was vorgefertigt – alles wirkt irgendwie austauschbar und steril. Noch dazu kommt jetzt die Verknüpfung mit KI, und das ist alles nicht mehr greifbar. Man verliert die Kontrolle darüber, was eigentlich noch von einem selbst stammt.

Weil Sie das Thema KI ansprechen: Denken Sie, dass KI Schüler möglicherweise fauler macht oder klüger? Oder hängt das davon ab, wie Schüler sie anwenden? 
Herr Schröder: Viele Schüler glaubten ja schon vor der KI, dass es reichen würde, sich ein Video anzuschauen, um Informationen aufzunehmen, quasi wie beim induktiven Laden, also wenn man sein Handy einfach nur auf die Ladestation legt. Man setzt sich hin, guckt sich etwas an und wird automatisch schlauer. Aber Bildung ist niemals ein passiver Prozess. Es ist nicht wie beim Passivrauchen, du wirst nicht automatisch klüger, nur weil neben dir jemand liest. Du musst dich selbst bewegen, selbst etwas tun. Und klar, KI verführt natürlich dazu, sich die Antworten einfach geben zu lassen. Hausaufgaben werden praktisch gar nicht mehr selbst gemacht. Aber dadurch entsteht ein richtiger Paradigmenwechsel: Wir müssen bei KI etwas ganz anderes leisten. Man muss gute Fragen stellen. Früher war Schule immer so: Der Lehrer fragt, der Schüler antwortet. Die Schüler wurden also darauf getrimmt, Antworten zu geben. Jetzt gibt die KI alle Antworten. Das heißt, die Schüler müssen plötzlich selbst gute Fragen stellen, aber das haben sie nie gelernt. Man muss die KI füttern, man muss gute Prompts schreiben, also präzise Anweisungen formulieren. Das ist ein völlig neuer Aufgabenbereich. Schon der griechische Philosoph Sokrates hat ja nur Fragen gestellt. Er hat im Grunde seine Schüler immer nur gefragt, gefragt, gefragt. Und das ist die höhere Kunst: Gute Fragen zu stellen ist schwieriger als schlechte Antworten zu geben.

Weil Sie gerade Sokrates erwähnt haben: Der hat sich ja schon vor fast 2.500 Jahren über die Jugend beschwert und unter anderem gesagt, dass sie in der Gesellschaft schwadronieren, die Beine übereinanderlegen und ihre Lehrer tyrannisieren. Das heißt, es hat sich faktisch nicht allzu viel verändert in den vergangenen Jahrtausenden? 
Herr Schröder: Die Pubertierenden und Heranwachsenden haben die Aufgabe zu revoltieren. Das müssen sie tun. Stellen wir uns mal eine Jugend vor, die komplett mit uns Erwachsenen einer Meinung wäre – das wäre furchtbar! Dann verlören wir eine ganz essenzielle gesellschaftliche Energie: diese Loslösungsenergie, dieses „Ich will weg hier, ich will raus, ich will ins Leben hinaus!“ Deshalb gehe ich sogar so weit zu sagen: Schule muss immer ein Stück weit scheiße sein und bleiben. Woher sonst nehmen die Schüler diesen Abstoßungsimpuls, der sie ins Leben katapultiert? Schule ist sozusagen der Kratzbaum des Lebens, Kraft und Gegenkraft, wie Yin und Yang. Es muss sein. Wenn du Rückenschmerzen hast, musst du die Bauchmuskeln trainieren. Es ist immer Kraft und Gegenkraft. Deshalb glaube ich, dass es diese Rebellion und dieses Entsetzen der Erwachsenen immer gegeben hat und immer geben wird. Aber trotzdem haben die Schüler auch immer eine Rückbesinnung auf alte Werte. Nicht umsonst sagen sie in der Jugendsprache zum Beispiel: „Das war episch!“ Da freue ich mich natürlich als Deutschlehrer, wenn die Jugend zur Benennung ihrer alltäglichen Erlebnisse auf eine der drei klassischen literarischen Gattungen – Lyrik, Epik, Dramatik – zurückgreift. Oder sie sagen: „Marvin hat in den Bus gekotzt. Legende!" Auch da steckt ein alter Wert drin: „Legende" kommt vom lateinischen „legere", also „lesen", etwas, das aufgeschrieben und weitergegeben wird. Im Grunde transportiert die Jugend trotz aller Rebellion unbewusst alte kulturelle Werte in ihre moderne Sprache.

Sie waren als Englisch- und Deutschlehrer tätig. Es gibt sprachliche Entwicklungen wie „Denglisch“, also diese Vermischung von Deutsch mit englischen Begriffen. Nimmt das nicht immer mehr zu? Wie ist da Ihr Eindruck? 
Herr Schröder: Die Jugendsprache ist so flüchtig und schnell. Sobald wir Erwachsene versuchen, den Finger daraufzulegen, hat sie sich schon wieder komplett gewandelt. In der Sekunde, in der Susanne Daubner in der Tagesschau das Jugendwort des Jahres verkündet, ist dieses Wort das uncoolste Wort überhaupt. Weil das im Grunde gar nicht benennbar sein soll. Wir sollen es ja auch nicht verstehen. Es muss kryptisch für uns bleiben. Das ist der ganze Sinn dieser Sprache, dass sich die Jugend damit abgrenzt. Und überhaupt der Versuch, sie zu verstehen, ist eigentlich schon kulturelle Aneignung, also dass wir uns etwas nehmen, was nicht für uns gedacht ist. Gleichzeitig ist die Jugend für uns ein Rätsel, und wir suchen darin etwas für uns zu entdeckenn: das Erfrischende, das Neue, die Erneuerung. Wir haben eine Jugendsehnsucht und verbinden sie natürlich mit der Sprache. Wir sind wahnsinnig neugierig: Wie spricht die Jugend? Was ist das Neue? Aus unserer vielleicht manchmal langweiligen Erwachsenen-Routine heraus suchen wir das Frische. Da sage ich immer: Warum suchen wir uns nicht ein Erwachsenenwort des Jahres? Warum sind wir nicht cool genug und sagen: „Komm, lass die Jugend Jugend sein. Wir suchen uns ein eigenes Wort!“ Irgendwas Cooles – „Übergangsjacke“ zum Beispiel.

Das wäre dann die Aufforderung oder Hausaufgabe für die Erwachsenen, sich möglicherweise eigene Wörter zu überlegen? 
Herr Schröder: Ja, genau! Welche Wörter beschreiben unsere Kultur, unser Erwachsenendasein gut? Kulturbeutel, Hämorrhoidenkissen, Reißverschlussverfahren. Irgendwas, bei dem wir sagen: Das sind wir! Etwas, das unsere Lebenswirklichkeit widerspiegelt. Die Liste könnte lang sein. Aber Sie hatten ja gefragt, ob das Englische in der Jugendsprache zunimmt. Ich glaube, die Entlehnungen kommen zu 80 bis 90 Prozent aus dem Englischen, aber natürlich auch aus dem Türkisch-Arabischen. Zum Beispiel „Shush“ für „Sei still“, „Mashallah“ als Ausdruck der Bewunderung oder „Alles tamam bei dir?“ für „Alles in Ordnung bei dir?“. Auch Redewendungen aus dem orientalischen Raum wie „Ich küsse dein Auge“ – eine liebevolle Grußformel, die besondere Wertschätzung ausdrückt – werden gerne übernommen.

Gibt es da manchmal auch eine exzessive Verwendung des gleichen Wortes? Ich habe das neulich im Zug erlebt. Ein Mann und Frau, schätzungsweise Anfang 20, haben sich unterhalten. Und bei jeder Aussage der Frau, der er zugestimmt hat, hat der Mann „Check“ gesagt. Das war dann schon etwas irritierend. 
Herr Schröder: Das ist schon krass! „Check“ ist da ein perfektes Beispiel. Oder „Das Crazy“, das neue Modewort, bei dem einfach das Verb weggelassen wird. Statt „Das ist crazy“ sagt man nur noch „Das Crazy“. Eine elliptische Konstruktion, bei das Verb weggelassen wird. Was ich neulich in der Straßenbahn innerhalb von zehn Sekunden dreimal gehört habe, waren „Bruder“ und „Digger“, also diese direkte Anrede. Sprachpsychologisch drückt sich hier im Unterbewusstsein die Suche nach Verbindung aus. „Bruder, Brudi, Bro“, auch wenn uns das manchmal abschreckt, dahinter steckt immer eine Sehnsucht nach Zugehörigkeit, die chiffriert ist, aber trotzdem etwas ausdrückt.

Also eine soziale Komponente letztendlich? 
Herr Schröder: Genau, eine soziale Komponente. Und dann natürlich „episch“ und „Legende“, die Sehnsucht nach der großen Erzählung. Die Jugend hat Tausende, Zehntausende von Wörtern zur Auswahl. Und trotzdem, wenn etwas Besonderes passiert, sagen sie: „Episch!“ oder „Legende!“ Das ist die Sehnsucht nach dem, was auch morgen noch zählt. Unterbewusst wollen sie kein fünfzehn Sekunden langes TikTok-Video, das man sich kurz anschaut und dann wieder vergisst. Sie gucken sich zwar ein TikTok nach dem anderen an, aber in der Tiefe ihrer Seele sehnen sie sich nach dem, was bleibt. Was ist episch? Was sticht heraus aus der Flut der digitalen Beliebigkeit? Deshalb suchen sie nach legendären Momenten und die sind meistens nicht digitaler Natur, sondern echte, greifbare Erlebnisse, die man nicht so schnell vergisst.

Weil Sie Social Media gerade erwähnen: Wie hat sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis dadurch verändert? 
Herr Schröder: Boah, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich glaube inzwischen, dass wir Lehrkräfte und auch Eltern gut daran täten, uns TikTok und Instagram einfach mal anzuschauen, nicht um selbst etwas hochzuladen, sondern nur um das Gefühl zu haben, dort zu versinken. Einmal durchscrollen und erleben, wie man in diesen digitalen Sumpf hineingezogen wird wie in einen Strudel, aus dem man nicht mehr rauskommt. Ich bin jetzt fünfzig – für die jüngeren Leser: Das sind hundert Mark, wie man früher scherzhaft sagte. Und selbst ich versinke da drin. Wenn ich das hochrechne: Wie soll ein Dreizehn-, Vierzehn-, oder Fünfzehnjähriger damit umgehen? Welche Abwehrkräfte hat so ein Jugendlicher? Was kann er dieser Flut der digitalen Überschwemmung entgegensetzen? Wenn ich jetzt einen Jugendlichen in der U-Bahn oder im Zug sehe, blutet ein bisschen mein pädagogisches Herz. Ich denke immer: Hoffentlich hat dieser Junge, dieses Mädchen auch ein echtes Angebot im Leben, ein richtiges Erlebnis und nicht nur diese endlosen Videos. Der Algorithmus ist ja auch völlig irre: Erst bist du bei irgendwelchen Dashcam-Videos mit sich überschlagenden Autos, also Aufnahmen von Autokameras, die Unfälle zeigen, und im nächsten 
Moment bist du bei den Hobby-Horsing-Weltmeisterschaften, wo Leute auf Steckenpferden über Hindernisse springen. Diese Schlagzahl an Videos ist wahnsinnig. Und da haben wir noch gar nicht über Mobbing geredet oder über diese ganze Verrohung in den Kommentarspalten. Jeder schreibt dort rein, jeder ist auch Produzent und darf selbst etwas in die Welt setzen. Die Schüler werden ganz stark von Social Media beeinflusst. Das ist das, was sie hauptsächlich tun: nach der Schule, vor der Schule, in den Pausen. Sie sehen dort eine Welt, die scheinbar toller, glänzender und vielversprechender ist als das, was sie real in ihrem Alltag vorfinden. Und dem gegenüber steht dann das geschriebene Wort oder das vom Lehrer gesprochene Wort – ich will nicht sagen, dass es wertlos ist, aber es befindet sich auf ziemlich einsamem Posten.

Also ist es ein Konkurrenzkampf der Medien? Die Schule mit Büchern gegen Social Media? 
Herr Schröder: Ja, genau. Als ich noch unterrichtet habe, war es ein Highlight, einen Film zu gucken. Oder wenn man im Englischunterricht mit YouTube gearbeitet hat. Ich habe damals aus YouTube oder CNN irgendwelche Beiträge rausgeschnitten, transkribiert und im Unterricht eingesetzt. Das war vor fünfzehn, zwanzig Jahren eine Mega-Arbeit. Und jetzt gibt es eine App, die das alles für dich macht mit Text und Untertiteln. Es ist definitiv ein Konkurrenzkampf der Medien. Früher, als der Medienwagen – dieser rollbare Fernsehwagen mit Video-Recorder – am Ende des Korridors erschien, haben die Schüler gefeiert. Das war ein echtes Highlight. Und jetzt ist es zwar immer noch schön, einen Film zu schauen, aber die Schüler sind hauptsächlich mit Social Media und Instagram unterwegs. Sie haben ihre eigenen Lern-Apps wie Simple Club und Sofatutor, beides Online-Lernplattformen. Was mich als Pädagoge nachdenklich macht: die Namen „Simple“ und „Sofa“. Was da suggeriert wird, ist, dass man simpel und vom Sofa aus alles lernen kann. Das ist eine fatale Botschaft. Wenn wir den Schülern vermitteln, dass sie am Handy wirklich alles lernen können, dann ist das natürlich Irrsinn.

Ist das nicht ein bisschen paradox? Vor zwanzig Jahren war es beispielweise recht schwierig, englische Filme zu bekommen. Heute hat man gigantische Möglichkeiten und kostenlose Angebote, um sich selbst Dinge beizubringen und zu lernen. Aber der Eindruck ist, je größer das Angebot wird, desto weniger wird es genutzt, absurderweise. 
Herr Schröder: Ja, das ist aus meiner Sicht die Überschüttung mit Möglichkeiten. Es gibt so viele Arten zu konsumieren, Nachrichten zu schauen, sich weiterzubilden. Es gibt so viele Lebensentwürfe, die auf einen einprasseln. Allein wenn ich mir Kochvideos anschaue, wie viele tausend Arten es gibt, Spitzkohl zuzubereiten! Ich gucke mir ein Video an, klicke einmal auf den Hashtag Spitzkohl und schon zeigt mir der Algorithmus hundert weitere Videos: „Oh, Herr Schröder mag Spitzkohl, dann zeigen wir ihm mal tausend Videos dazu.“ Mit dieser Überschüttung kann der Mensch, glaube ich, nicht umgehen. Der Mensch braucht Begrenzung. Vor allem Heranwachsende brauchen Begrenzung. Du hast die Wahl zwischen zwei Sachen, entscheide dich jetzt. In der Begrenzung liegt eigentlich die wahre Freiheit. Klingt paradox, aber ich habe das schon im Deutschunterricht gemerkt: Wenn man Schülern sagt „Schreibt irgendeine Geschichte“, wissen sie überhaupt nicht, was sie machen sollen. Aber wenn man sagt: „Schreibt eine Geschichte, in der jedes Wort mit P anfangen muss“ – irgendeine völlig fiktive Einschränkung –, dann schreiben sie sofort los. In der Begrenzung liegt Freiheit. Und umgekehrt: In der endlosen Freiheit liegt etwas Ohnmächtigmachendes. „Boah, ich habe alle Möglichkeiten der Welt“ – nein, dafür sind wir nicht geschaffen.

Ist der Lehrer dann gewissermaßen der Kapitän oder Fährmann durch die Gewässer der unbegrenzten Möglichkeiten? 
Herr Schröder: Ja, ich glaube, es ist wichtig, dass der Lehrer ein Gefühl dafür hat, wie diese Jugend mit dem Social-Media-Angebot zu kämpfen hat. Wo ist die Seele in all dem? Wenn ich Workshops habe oder mit Schülergruppen zusammenarbeite, suche ich immer nach dem echten Erlebnis. Handy weg – das tut den Kindern gut, bin ich inzwischen überzeugt. Bei einer Klassenfahrt eine Woche ohne Handy. Und das können die Kinder. Das ist intuitiv in uns angelegt.  
Ich hatte vor vielen Jahren eine Klassenfahrt nach Amrum. Nach einer langen Strandwanderung bei Wind, Regen, Hagel und Graupelschauer kamen wir an einer Bushaltestelle an. Und der Bus kam nicht. Er kam einfach nicht. Dreiunddreißig Kinder, und ich dachte: Das war meine letzte Klassenfahrt. Von den dreiunddreißig Kindern passten zehn in das Wartehäuschen. Die anderen haben mit ihren Regencapes eine Art Pagode gebaut, die Planen zusammengeknotet und ein Zelt von der Bushaltestelle abgespannt, um sich gegen den Regen zu schützen. Und dann haben die sich da drunter versammelt, haben sich abgewechselt, hatten den Spaß ihres Lebens. Die haben gesungen, ihr Vesperbrot rausgeholt, Murat hat seine Shisha ausgepackt. Als der Bus endlich kam, sagten alle: „Wir nehmen den nächsten. Komm, wir bleiben hier. Wir haben alles, was wir brauchen.“ Am Ende der Fahrt habe ich gefragt: Was war der coolste Moment? Es war nicht das, was sie oder ich vorher gedacht hatten. Es war nicht das gestylte Wellenbad, nichts, was ich versucht habe pädagogisch herbeizuführen. Es war dieser Moment im Bushaltestellen-Wartehäuschen. Nicht wiederholbar. Man kann den Finger nicht drauflegen, was da genau passiert ist, aber es hat sich etwas im Sozialgefüge der Klasse verändert. Auch der nicht so beliebte Schüler war danach Teil der Gemeinschaft. Das ist letztlich immer noch das beste Lernen: intuitiv, analog, real. Deshalb ist Schule unersetzlich, diese gemeinsam erlebten Dinge, gerade die Herausforderungen. Wenn der Bus nicht kommt oder etwas schiefgeht, das sind die Momente, die wirklich prägen. Ich habe viele solcher Geschichten erlebt, auch in der Theater-AG. Bei jeder Aufführung gab es Momente, in denen plötzlich Schüler aus der Deckung herauskommen, von denen man sein ganzes Schulleben lang noch nichts gehört hat. Die sagen dann: „Hier, ich habe eine Idee. Wir machen das so und so.“ Das nenne ich das pädagogische Vakuum. Ein Raum, in dem plötzlich die Schüler gefordert sind und selbst aktiv werden müssen. Und das meine ich auch mit Begrenzungen: Es ist im Grunde eine Krise, eine Lage, in der eben nicht viele Optionen zur Verfügung stehen. Und genau dann kommen die Schüler und sagen: „Ja, wir könnten das so machen!“ In solchen Momenten zeigen sie, was wirklich in ihnen steckt.

Begegnen Sie ehemaligen Schülern bei Ihren Vorstellungen? 
Herr Schröder: Nicht oft, aber es kommt hin und wieder vor. Viele meiner ehemaligen Schüler studieren noch, andere sind schon fertig, haben Kinder und sind schon Väter und Mütter. Irgendwo tauchen sie dann auf, in Hamburg, Münster oder München. Sie schreiben mir auf Facebook oder sitzen einfach so im Publikum. Einige sind auch wiederholt gekommen. Wenn ich das vorher weiß, freue ich mich natürlich besonders und baue das ins Programm ein: „Hier heute ein ehemaliger Schüler!“ Gerade erst in Baden-Baden, das liegt in der Nähe meiner früheren Wirkungsstätte Offenburg, war ein Schüler mit seiner ganzen Familie da. Das war sehr lustig, weil ich es nicht wusste. Ich habe gefragt: „Ehemalige Schüler hier?“ Und dann war ich selbst überrascht und habe mich sehr gefreut. Manche fragen mich dann: „Herr Schröder, wann kriegen wir eigentlich die Klassenarbeiten von 'Kleider machen Leute' wieder?“, zur berühmten Novelle von Gottfried Keller, die ich damals im Deutschunterricht behandelt habe. „Wir warten seit 30 Jahren drauf!“ Das sind schöne Momente. Ich bin auch gerne bei meiner ehemaligen Schule in Offenburg. Wir haben einen Junglehrer-Stammtisch, zu dem ich immer noch hingehe. In einer kleinen Literaturkneipe, dem Woyzeck. Gerade hatten wir das Schuljubiläum: 150 Jahre Oken-Gymnasium in Offenburg. Da durfte ich auch ein paar Worte ans Cholerikum richten.

Sie sind derzeit als Lehrer beurlaubt. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann in den Beruf zurückzukehren? 
Herr Schröder: Ich kann mir das durchaus vorstellen. Ich habe jetzt einen pädagogischen Nebenweg eingeschlagen, weil ich noch mal etwas in der Tiefe ausprobieren wollte. Aber ich bin von Herzen Pädagoge, ich bin Lehrer. Ich schaue mir die Schüler an und frage mich: Was hilft diesem Jungen oder diesem Mädchen, um morgen im Leben besser klarzukommen als gestern? Ich bin immer auf der Suche nach diesen legendären Momenten. Was mich umtreibt: Wie wirkt sich Social Media auf die Kinder aus? Was macht KI mit ihnen? Wie erleben junge Menschen die Welt? Das ist mir immer ein Rätsel. Fühlen die sich genauso überfordert, wie sich viele Erwachsene gerade überfordert fühlen? Müssen sie ja. Ihre Eltern sind mit den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verwerfungen überfordert:, mit Social Media, mit dem Medienkonsum, mit gesellschaftlichen Themen und diese Überforderung wirkt sich natürlich auf die Kinder aus. Deshalb kann ich mir eine Rückkehr in der einen oder anderen Form vorstellen, sicherlich nicht mehr in einer Beamtenlaufbahn, aber mit Workshops, Schulbesuchen und Fortbildungen. Ich bin immer nah an der Schule dran, das ist nach wie vor mein Hauptinteresse. Wenn man mich fragt: „Bist du Showmensch oder bist du Lehrer?“, dann würde ich sagen: Ich bin Lehrer.

Sie haben 2014 in Kanada ein Sabbatical eingelegt und sich mit Comedy beschäftigt. Dort haben Sie das Einmaleins der Punchlines gelernt und ihre Bühnenkarriere gestartet. Was kann Schule von Comedy lernen und Comedy von Schule? 
Herr Schröder: Sehr, sehr viel. Das Klassenzimmer ist auch eine Bühne – von der Essenz her ist es dasselbe. Die Bühnensituation bedeutet genau wie die Klassenzimmersituation eine sehr intensive, fokussierte Kommunikation. Man muss den Raum lesen, man muss schauen: Was ist hier heute möglich? Das Hier und Jetzt zählt mehr als alles andere. Man kann noch so einen tollen Unterrichtsverlauf geplant haben, man kann noch so ein tolles Programm als Comedian geschrieben haben, wenn man das Hier und Jetzt nicht wahrnimmt und nicht schaut, wer einem da gegenübersitzt, wie müde oder leistungsfähig alle sind, dann hat das alles keinen Wert. Der Witz lebt erst, wenn man mit der Seele angekommen ist. Sonst ist es nur ein geschriebener Gag, den man auch in der Zeitung lesen kann. Im Klassenzimmer ist es genauso: Bin ich wirklich hier in der Kommunikation oder spule ich gerade nur etwas ab? Das war schon früher mein Mantra als Lehrer: Sei nicht interessant, sei interessiert. Das bedeutet, nicht die tollste Performance abliefern zu wollen, sondern mindestens genauso wichtig ist es, seine Fühler auszustrecken und zu schauen, was gerade Sache ist. Klassenzimmer und Bühne sind identisch, was diese innere Haltung angeht: Mit welchem Gefühl betrete ich das Klassenzimmer? Wir können unseren Unterricht mit KI vorbereiten, wir können eine komplexe Gruppenarbeit vorbereiten. Das ist alles okay. Am Ende des Tages zählt jedoch die Frage: Mit welcher inneren Haltung drücke ich die Klinke zum Klassenzimmer nieder und gehe in die 9A rein? Habe ich ein inneres Lächeln oder bin ich in einer Abwehrhaltung?

Das würde aber auch bedeuten, dass die Lehrerpersönlichkeit vermutlich nie durch KI ersetzt werden kann? 
Herr Schröder: Genau, das glaube ich auch. Wir Menschen verbinden uns mit Menschen. Das ist in uns angelegt. Schon als Baby brauchen wir ein Gegenüber, das uns durch Lachen, Augenkontakt, Stimme und Berührung die Berechtigung zurückspiegelt, auf der Welt zu sein. Wir können, Gott sei Dank, das Menschliche noch von der KI unterscheiden – durch die Atmosphäre, durch das Echte. Dieses Gefühl: „Boah, von diesem Lehrer habe ich echt was gelernt, da ist ein Funke übergesprungen“ – man kann den Finger nicht drauflegen, warum es so war, aber da war eine Verbindung. Ein echtes Interesse des Lehrers am Schüler. Ich glaube nicht, dass KI Interesse am Wohlergehen der Kinder hat (lacht). Die KI hat auch nichts durchgemacht. Sie hat keine eigenen Erlebnisse, hat keinen Schmerz erlebt. KI war nie selbst ein Schüler, der am Boden lag oder diese ganzen inneren Kämpfe durchgemacht hat. Nein, auf vielen Ebenen ist der menschliche Lehrer unersetzlich. Ich weiß nicht, wie die Welt aussähe, wenn wir nur mit KI-Lehrern konfrontiert wären. Irgendein mechanisches Lernen vielleicht, aber sicherlich nicht die Herzensbildung – also die Entwicklung von Empathie, Werten und emotionaler Reife. 
Es gibt viele Leute, die über das deutsche Bildungssystem schimpfen. Wenn das deutsche Bildungssystem eine Klassenarbeit wäre, welche Note würden Sie ihm geben und warum? Herr Schröder: Ich würde eine Drei bis Vier geben. Wir haben immer noch ein Schulsystem, das sehr vielen Schülerinnen und Schülern Zugang zur Bildung bietet. Natürlich haben wir veraltete Schulgebäude, aber ich glaube, es wird auch viel auf hohem Niveau gejammert. Wir haben natürlich Probleme mit dem föderalen System – also dass jedes Bundesland sein eigenes Bildungssystem hat – und mit der alten Beamtenstruktur. Das führt zu wahnsinnig langsamen, schleppenden Prozessen. Deshalb konnten wir auch so schwierig auf Corona reagieren oder die Digitalisierung vorantreiben. Ein schnelles Digitalportal für alle? Einfach nicht möglich. Datenschutzregelungen und so weiter. 
Schweden macht jetzt die Rolle rückwärts in Sachen Digitalisierung – also zurück zu analogen Methoden und Büchern in den Grundschulen. Das können wir gar nicht, weil wir die Rolle vorwärts noch nicht mal abgeschlossen haben (lacht)! Die haben für 160 Millionen Euro wieder alte Schulbücher angeschafft und re-analogisieren. Also: Note Drei bis Vier. Und was mir am Herzen liegt: Wir müssen vor allem in die Grundschulen und in die Kitas investieren, damit die Kinder dort Deutsch lernen und gut umsorgt sind. Viele Kinder verstehen die Aufgabenstellungen nicht, können längere Texte nicht mehr lesen. Wenn wir die Kinder an der Basis nicht erreichen, verlieren wir sie. 
Wir dürfen niemals mehr sagen: „nur Grundschule“ oder „Ich bin nur Erzieherin“. Das ist die Basis! Kein Architekt würde sagen: „Wisst ihr was? Das Fundament ist nicht so wichtig.“ Wir wissen, dass das Fundament das Allerwichtigste ist. Wir brauchen nicht oben im dritten Stock anzufangen rumzuwursteln. Wir brauchen die besten Pädagoginnen und Pädagogen an den Kitas und Grundschulen. Leider ist in Deutschland immer noch dieses dünkelhafte Denken verbreitet – also diese Überheblichkeit: „Die höhere Bildung, das Gymnasium, das ist das Wichtige.“ Dieses akademische, leicht arrogante Denken. Dabei müssten wir es wie in Schweden machen: Die Lehrer mit den besten Examensnoten kommen per Definition in die niedrigsten Klassen. Ich habe einen Schulbesuch in Göteborg gemacht – Geburtsort von Goethe, wie jeder weiß (lacht). Und dort haben sie mir genau das erklärt: Die besten Lehrer kommen in die niedrigsten Klassen. Das wäre das bestausgegebene Geld: eine noch bessere Förderung im Kita- und Grundschulbereich. Gerade beim Thema Migration, in Klassen mit vielen zugezogenen Kindern, dass einfach die Deutschkenntnisse so gut sind, dass sie sich in der Welt zurechtfinden und Texte lesen können. Sprache ist der Schlüssel. Da können wir gar nicht genug investieren.

Wenn Sie Ihrem 16-jährigen Schüler-Ich eine Notiz vom Lehrerpult hinterlassen könnten, was stünde darauf? 
Herr Schröder: (lacht) Boah, meinem 16-jährigen Ich, das ist schwer. Ich würde schreiben: „Du bist gut so, wie du bist.“ Ich hatte nämlich damals wahnsinnige Ängste, mich zu melden. Tausende Komplexe. Hundertmal habe ich überlegt: „Darf ich mich jetzt hier melden? Weiß ich es wirklich gut genug?“ (lacht) Ich habe mich bis zum Abitur praktisch nie gemeldet. Deshalb habe ich auch ein schlechtes Abitur gemacht, weil ich den Mund nicht aufgekriegt habe und unter tausend Selbstzweifeln gelitten habe. Wenn ich das heute in Schülern sehe, denke ich immer: „Mensch, komm, du schaffst das.“ Das würde ich meinem jüngeren Ich auch gerne sagen.

Weitere Infos und Tickets unter: www.korrekturensohn.de

Foto: ©Boris Breuer
Quelle: Freiheitshalle Hof

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