15. November 2025 / Polizeimeldungen

Wenn Eltern süchtig sind - Jugendliche sehen den Film „Erinnerungen an eine vergessene Kindheit“

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Wenn Eltern süchtig sind - Jugendliche sehen den Film „Erinnerungen an eine vergessene Kindheit“

HOF. Sucht ist nicht einfach. In jeder Szene von „Erinnerungen an eine vergessene Kindheit“ zeigt der Regisseur Lars Smekal eine andere Facette. In dem Kurzfilm dreht sich alles um eine Kindheit mit suchtkranken Eltern – Smekals Kindheit, denn der Film ist autobiographisch. Über 400 Schülerinnen und Schüler aus Stadt und Landkreis Hof haben ihn am Montag und Dienstag dieser Woche im großen Saal des Zentralkinos gesehen. Stefanie Vollert, Präventionsbeamtin bei der Kripo Hof, hatte dazu mit dem Arbeitskreis „Unsere Stadt gemeinsam gegen Drogen“ eingeladen. Vor Ort waren nicht nur die Schüler, sondern anschließend beantworteten der Regisseur und eine Expertenrunde die vielen Fragen, die der Film bei den Schülern aufwarf.  

„Der Film ist äußerst berührend“, sagt Stefanie Vollert. „Deshalb haben wir uns ganz gezielt dafür entschieden, erst Jugendliche ab der zehnten Jahrgangsstufe einzuladen.“ Dass der Film sein Publikum packt, zeigte sich alleine schon während des langen Abspanns. Es herrschte absolute Ruhe im Kino. Niemand raschelte, niemand tuschelte, die Bilder mussten erst einmal verarbeitet werden. Die meisten Fragen richteten die Schülerinnen und Schüler anschließend an Regisseur Lars Smekal, aber auch Hubert Pürner, Richter am Amtsgericht Hof, Günter Strobel, trockener Alkoholiker vom Blauen Kreuz, und die Psychologin Heike Krügel von der Diakonie Hochfranken kamen in der Expertenrunde zu Wort.

„Ich werde alle Fragen ehrlich beantworten“, sagte Smekal eingangs. Und das tut er. Niklas, der Protagonist im Film, wird in einer Szene von seiner Mutter geohrfeigt. „Das fand tatsächlich so statt – es war das einzige Mal, aber dieses eine Mal hat meiner Mutter mich geschlagen“, berichtet Smekal. In anderen Szenen reagiert die alkoholsüchtige Mutter liebevoll und sorgenvoll auf ihren Sohn – der Film zeigt immerzu ambivalente Situationen. Mal gibt es Liebe, mal Schläge. Erst weckt der spielsüchtige Vater bei Niklas tolle Zukunftsträume – nach dem Lottogewinn – danach zerschlägt er Niklas Traum vom neuen Fahrrad und sein Sparschwein, um mit den zusammengesparten Groschen den Spielautomaten zu füttern.

„Das war mir ganz wichtig: Zu zeigen, dass es auch in dieser Familie mit all ihren Problemen, Liebe gibt“, sagt Smekal. Die suchtkranken Eltern sind nicht böse. Sie sind krank und sie brauchen Hilfe.

„Ich habe mich als Kind nicht getraut, Hilfe zu holen“, sagt Smekal. Das ist der Moment, in dem der Film vom Erlebten abweicht. Niklas öffnet sich einem Lehrer, er sucht Hilfe. „Das war mir für das Publikum wichtig – schließlich möchte ich damit Mut machen“, so Smekal.

Wo sie Hilfe bekommen können, erfragen die Jugendlichen auch in der Expertenrunde. Richter Pürner betont, dass es ein guter Freundschaftsdienst ist, hier aktiv zu werden. Seiner Erfahrung nach fühlen sich Menschen oft als Verräter, wenn sie Suchtprobleme ansprechen. „Es ist aber das Gegenteil der Fall.“ Heike Krügel gibt Tipps, wie man sich zunächst auch per anonymen Chat beraten lassen kann, wenn man Suchterkrankungen in der eigenen Familie, in der Familie von Freunden, bei Freunden oder auch bei sich selbst wahrnimmt. Und Günter Stobel erzielt mit seinem Tipp, sich an das Blaue Kreuz zu wenden gleich einen direkten Erfolg – als fast alle den Saal verlassen haben, kommt ein Schüler direkt auf ihn zu.

„Ich hätte mir als Kind gewünscht, dass andere Menschen meine Eltern darauf ansprechen. Viele haben davon gewusst – aber sie haben weggesehen“, erinnert sich Smekal. Mit seinem Film möchte er dazu beitragen, dass hingesehen wird – und gehandelt.

Info: Die Aktion im Zentralkino Hof in Kooperation gab es bereits im zweiten Jahr in Folge, organisiert von der Präventionsbeamtin Kriminalhauptkommissarin Stefanie Vollert im Rahmen des Arbeitskreises „Unsere Stadt gemeinsam gegen Drogen“.
Weitere Infos zum Regisseur Lars Smekal gibt es unter www.larssmekal.de

Foto: Polizeipräsidium Oberfranken
Quelle: Polizeipräsidium Oberfranken

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