2. Oktober 2026 / Partner - News

50 Jahre Suchtberatung der Diakonie Hochfranken

Der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Veröffentlicht am 2. Oktober 2026 um 10:37 Uhr

Hof. Seit 50 Jahren begleitet die Suchtberatung der Diakonie Hochfranken Menschen mit Suchterkrankungen, Suchtgefährdete und deren Angehörige. Dieses Jubiläum feierte die Diakonie Hochfranken am 29. September gemeinsam mit zahlreichen Gästen aus Politik, Kirche, sozialen Einrichtungen und langjährigen Netzwerkpartnern in der Bürgergesellschaft Hof. Dabei ging der Blick nicht nur zurück auf fünf Jahrzehnte Suchthilfe, sondern ganz bewusst auch nach vorne.

Seit 1976 bietet die Suchtberatung Menschen in der Stadt und im Landkreis Hof sowie im Landkreis Wunsiedel einen vertrauensvollen Ort, an dem sie offen über ihre Sorgen sprechen und Unterstützung finden können. Heute ist das Angebot an den Standorten Hof, Naila, Münchberg, Helmbrechts, Selb, Wunsiedel und Marktredwitz vertreten.

Eröffnet wurde die Jubiläumsveranstaltung von Manuela Bierbaum, Geschäftsführerin der Diakonie Hochfranken. Einen theologischen Impuls gab die stellvertretende Dekanin Nicola Aller. Musikalisch begleitet wurde die Feier von Slawek Dudar am Saxophon.

„Menschen, die zu uns kommen, brauchen jede Menge Mut“

Im Anschluss richtete Christiane Rothemund, Leiterin der Suchtberatung, den Blick auf die Entwicklung der Suchthilfe und vor allem auf die Menschen, die das Angebot in Anspruch nehmen.

„Menschen, die in die Suchtberatungsstelle kommen, brauchen jede Menge Mut“, sagte Rothemund. Oft brächten sie einen großen „Rucksack“ mit. Sie müssten den Mut aufbringen, diesen zu öffnen, über Sorgen und Nöte zu sprechen, sich anderen anzuvertrauen und vor allem daran zu glauben, dass Veränderung möglich ist.

In fünf Jahrzehnten hat sich die Suchtberatung fachlich stetig weiterentwickelt und ihr Angebot ausgebaut. Seit 1994 ist sie als Rehabilitationseinrichtung für Abhängigkeitskranke von der Deutschen Rentenversicherung anerkannt. Hinzu kamen unter anderem Präventionsangebote für Jugendliche, die Fachstelle Glücksspielsucht, die Suchtberatung in der JVA Hof und 2023 die Onlineberatung über DigiSucht. Seit September 2026 bietet die Diakonie Hochfranken zudem eine eigene Jugendsuchtberatung an, die insbesondere aktuelle Konsumtrends bei Cannabis und synthetischen Cannabinoiden in den Blick nimmt.

„Neben Abstinenz und Konsumreduktion geht es bei allen unseren Angeboten vor allem darum, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern“, betonte Rothemund. Ziel sei es, einen gelingenden Alltag zu ermöglichen und zugleich Familien und Angehörige zu entlasten. Bei aller fachlichen und technischen Weiterentwicklung bleibe dabei eines entscheidend: die persönliche Begegnung.

Suchthilfe funktioniert im Netzwerk

Wie wichtig dabei die Zusammenarbeit in der Region ist, zeigte die große Zahl der Gäste aus Politik, Kirche, Gesundheitswesen, Beratungsstellen, Selbsthilfe, Polizei und Justiz sowie weiteren sozialen Einrichtungen.

Grußworte sprachen Bürgermeisterin Angela Bier, Landrat Dr. Oliver Bär, Bezirksrätin Eva Döhla, Regierungsvizepräsident Thomas Engel sowie Bernd Hofmann als Vertreter des Landkreises Wunsiedel.

Ein besonderer Dank galt auch den Fördergebern, die dazu beitragen, dass die Beratungsangebote für die Bevölkerung kostenfrei zur Verfügung stehen. Finanziert wird die Suchtberatung durch den Bezirk Oberfranken, die Regierung von Oberfranken, die Landkreise Hof und Wunsiedel sowie die Stadt Hof.

Nach den Grußworten nutzten die Gäste eine Pause zum persönlichen Austausch. Auf Stellwänden stellte das Team verschiedene Arbeitsfelder und Angebote der Suchtberatung vor und machte damit sichtbar, wie vielfältig Suchthilfe heute aufgestellt ist.

Zwischen persönlicher Begegnung, Digitalisierung und KI

Denn auch nach 50 Jahren bleibt Suchtberatung in Bewegung. Neue Konsumformen, veränderte Lebenswelten und die Digitalisierung stellen die Fachkräfte vor neue Aufgaben. Gleichzeitig eröffnen Onlineberatung und Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten.

„Suchtberatung lebt von Beziehung. Und Beziehung findet zuallererst persönlich, von Angesicht zu Angesicht statt. Das heißt aber nicht, dass wir nicht die vielfältigen Möglichkeiten, die Digitalisierung und KI bieten, nutzen“, sagte Geschäftsführerin Manuela Bierbaum.

Mit DigiSucht bietet die Diakonie Hochfranken bereits seit 2023 einen anonymen und besonders niedrigschwelligen digitalen Zugang zur Beratung. Weitere digitale Entwicklungen und der Einsatz von KI können persönliche Beratung ergänzen, werfen zugleich aber soziale, technologische und ethische Fragen auf.

Genau hier setzte nach der Pause der Fachvortrag von Prof. Dr. Michael Domes an. Der Professor für Theorien und Handlungslehre in der Sozialen Arbeit an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm sprach unter dem Titel „Verantwortlich handeln im digitalen Zeitalter – Ethik als Navi für ein ‚gutes‘ Leben?!“ über die Herausforderungen einer zunehmend digitalen Lebenswelt und die Frage, welche Orientierung es für einen verantwortungsvollen Umgang mit neuen technischen Möglichkeiten braucht.

So wurde das Jubiläum nicht nur zu einem Rückblick auf 50 Jahre Suchtberatung, sondern auch zu einem Blick auf die kommenden Jahre. Digitalisierung, gesellschaftliche Veränderungen und neue Konsumformen werden die Suchthilfe weiterhin vor neue Aufgaben stellen.

Der Kern ihrer Arbeit aber bleibt: Menschen Mut zu machen, Veränderung zu ermöglichen und ihnen persönlich und verlässlich zur Seite zu stehen.


Auf dem Gruppenfoto: Das Team der Suchtberatung von links nach rechts: Theresa Kilper, Stefan Hechtfischer, Prof. Dr. Michael Domes, Heike Krügel, Christiane Rothemund, Ute Hofmann-Gützlaff, Walter Müller, Daniela Neumeister, Martina Friedberger, Laura Wind, Melanie Jaenisch, Lilly Schöberlein

Foto: Diakonie Hochfranken gGmbH
Quelle: Diakonie Hochfranken gGmbH

Meistgelesene Artikel

Ein Amt, das Wirtschaft und Justiz verbindet
Allgemeines

Ehrenamtlich tätige Handelsrichter aus dem IHK-Gremium Hof ausgezeichnet

weiterlesen...
Happy Weekend - Die perfekte Auszeit. Euer schlimmster Albtraum.
Buchvorstellungen

Psychothriller | Nervenkitzel pur von Nr.1-Bestsellerautor Arno Strobel

weiterlesen...

Neueste Artikel

Verkehrseinschränkung am Unteren Tor wird aufgehoben
Hof informiert...

Zum 16. Oktober 2026 wieder beide Fahrspuren verfügbar

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Filmkunst auf Papier
Partner - News

Kultplakate der Hofer Filmtage in der Klostergalerie

weiterlesen...