Naila. 1. Bürgermeister Frank Stumpf betonte beim Treffen am Ballonlandeplatz die Bedeutung internationaler Begegnungen, insbesondere in Zeiten globaler Krisen und Kriege. Anlass war der Besuch von 21 französischen Austauschschülerinnen und -schülern des Collège in Noidans-lès-Vesoul, die gemeinsam mit ihren Betreuern – Deutschlehrer Odilon Semprey und Alexandre Sarrazin – in Naila zu Gast waren.
Die Jugendlichen reisten mit Bus und Bahn an und kamen am Samstagabend mit etwa einer Stunde Verspätung am Bahnhof in Naila an. Dennoch wurden sie herzlich und vertraut von ihren deutschen Gastgebern empfangen. Die Acht- und Neuntklässler aus dem Hochfranken-Gymnasium waren im Mai selbst in Frankreich gewesen – nun fand der Gegenbesuch statt, um auch den französischen Jugendlichen Land, Leute und Kultur näherzubringen und bestehende Freundschaften weiter zu vertiefen.
Die Wiedersehensfreude war groß – nach einer kurzen Begrüßung machten sich die Schülerinnen und Schüler gemeinsam auf den Weg zum Wiesenfest in Schwarzenbach a.Wald. Die Gasteltern kümmerten sich währenddessen um das Gepäck und fuhren nach Hause. Der Sonntag stand ganz im Zeichen des „Familientages“, der dem gegenseitigen Kennenlernen und kulturellen Austausch diente. Am Montag besuchten die französischen Gäste den Unterricht am Hochfranken-Gymnasium und erkundeten am Nachmittag die Stadt Naila. Für Odilon Semprey war es bereits der siebte Austausch, für die verantwortliche Lehrerin vom Hochfranken-Gymnasium, Peggy Kober-Borneburg, der dritte.
„Das Thema der ehemaligen innerdeutschen Grenze gehört zu jedem Austausch dazu – mal mit dem Besuch des Deutsch-Deutschen Museums in Mödlareuth, mal mit einer Wanderung zum Ballonlandeplatz“, erklärt Kober-Borneburg, die sich ebenso wie ihr französischer Kollege über den Besuch des Bürgermeisters freute. „Er findet immer die richtigen Worte“, so Semprey.
Dies zeigte sich auch bei der gemeinsamen Gedenkveranstaltung am Originalschauplatz der spektakulären Ballonflucht von 1979. Gespannt lauschte die Schülergruppe den Ausführungen von 1. Bürgermeister Frank Stumpf – es hätte eine Stecknadel zu Boden fallen können. Semprey übersetzte.
Die Jugendlichen hatten in der Schule zuvor den Film Ballon von Michael „Bully“ Herbig gesehen und kannten bereits einige Details. Der Bürgermeister berichtete eindrücklich vom historischen Ereignis: „Am 16. September 1979 landete hier nahe Dreigrün ein Heißluftballon. Acht Menschen – vier Erwachsene und vier Kinder – gelang die Flucht aus der DDR in die Freiheit. Zehn Jahre später gingen in der DDR immer mehr Menschen für ihre Freiheit auf die Straße und riefen: ‚Wir sind das Volk.’“ Auch die Ausstellung des originalen Fluchtballons im Bürger- und Familienzentrum kam zur Sprache. Semprey fragte, ob der Ballon wieder zurück in Naila sei. „Ja, nach fünf Jahren – im Spätherbst wird er wieder präsentiert“, antwortete der Bürgermeister.
Er unterstrich die Bedeutung solcher Begegnungen: „Gerade vor dem Hintergrund der vielen Kriege in der Welt sind Austausch und persönliche Kontakte mit dem benachbarten Ausland wichtiger denn je. Hier an diesem historischen Ort kann man Geschichte hautnah erleben.“
Die Jugendlichen betrachteten die Infosäule zur Ballonflucht aufmerksam. Danach ging es weiter zum Imbiss am Finkenflug – 1. Bürgermeister Frank Stumpf lud die Gruppe ein. Applaus brandete auf, und zum Dank erhielt er einen kleinen Kornblumenstrauß, frisch vom Feldrand gepflückt.
Auf dem weiteren Programm standen unter anderem der Besuch des Fernwehparks in Oberkotzau, des Erika-Fuchs-Hauses in Schwarzenbach an der Saale, eine Wanderung zum Kornberg sowie ein gemeinsamer Abend mit den Gasteltern in der Schule.
Auf dem Foto: Wanderung zum Ballonlandeplatz am Finkenflug. Im Bild die deutschen und französischen Schüler mit den Lehrkräften Odilon Semprey, Alexandre Sarrazin und Peggy Kober-Borneburg sowie 1. Bürgermeister Frank Stumpf.
Foto: Stadt Naila
Quelle: Stadt Naila







