Hof. Wenn ein Ball durch die Luft fliegt, Namen durcheinandergewirbelt werden und am Ende eine Urkunde überreicht wird, dann ist man mittendrin bei „Spielreif“ – und bei einem Projekt der Naturbühne Trebgast, das zeigt, wie lebendig Kultur im Alter sein kann.
Das Netzwerk „Dialog: Kultur und Demenz“ ließ dem Theaterpädagogen Frank Endrich dieser Tage bei einem Besuch auf der Naturbühne Trebgast eine besondere Anerkennung zuteil werden: Für seine Teilnahme an der Weiterbildung „Kultur, Vielfalt & Älterwerden“ überreichten Ute Hopperdietzel von der Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken sowie Sabine L. Distler vom Curatorium Altern gestalten ihm eine entsprechende Urkunde.
Die Auszeichnung würdigt nicht nur die erfolgreiche Teilnahme an der Weiterbildung, sondern auch das, was daraus bereits gewachsen ist: ein lebendiges, offenes Theaterangebot für ältere Menschen. Mit dabei bei der Übergabe waren auch die künstlerische Leiterin Anja Dechant-Sundby sowie Ute Schlüchtermann, die gemeinsam mit Frank Endrich die Gruppe „Spielreif“ vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufen hat. Ebenfalls anwesend waren die Spielerinnen und Spieler der Gruppe, die sich jeden Donnerstag trifft und sich an Menschen über 60 richtet – ganz bewusst ohne Voraussetzung von Vorerfahrung. Was zählt, ist die Neugier. Und die Bereitschaft, sich einzulassen.
So ist eine Gemeinschaft entstanden, die trägt und bewegt. Eine Teilnehmerin bringt es auf den Punkt: „Es ist mal etwas ganz anderes, kein Tennis, kein Kartenclub – und es hat mich einfach angesprochen.“ Ein anderer ergänzt: „Hier wird etwas von uns gefordert. Wir wachsen an den Aufgaben und unterstützen uns gegenseitig.“
In diesen Sätzen steckt, was „Spielreif“ ausmacht: gemeinsames Ausprobieren, gegenseitiges Vertrauen und die Freude daran, Neues zu wagen.
Dass ein solches Projekt auf der Naturbühne Trebgast entsteht, ist kein Zufall. Die Bühne liegt idyllisch am Wehlitzer Berg in Oberfranken und wird von der gemeinnützigen Gesellschaft „die Naturbühne gGmbH“ betrieben. Unter der künstlerischen Leitung von Anja Dechant-Sundby hat sich die Naturbühne nicht nur mit ihren Freilichtaufführungen einen Namen gemacht – allein 2025 kamen über 42.000 Besucherinnen und Besucher –, sondern auch als Ort, an dem Teilhabe und kulturelle Bildung großgeschrieben werden. Mehr als 100 Ehrenamtliche tragen jedes Jahr das vielfältige Programm von Mai bis September.
Neben den großen Produktionen zeigt sich hier aber auch eine andere, leisere Stärke: die Entwicklung von Formaten, die Menschen zusammenbringen – unabhängig von Alter oder Vorerfahrung.
Die Gruppe „Spielreif“ ist ein solches Format. Sie steht exemplarisch für das, was möglich wird, wenn Engagement, Offenheit und die richtigen Impulse zusammenkommen. So wurde an diesem Tag in Trebgast nicht nur eine Urkunde überreicht. In den gemeinsamen, spielerischen Aufwärmübungen – die Konzentration, Ausdruck und Miteinander fördern – wurde unmittelbar erlebbar, was Theaterpädagogik bewirken kann. Mit spürbarer Leichtigkeit und viel Freude öffneten sich Zugänge zu den Motivationen und Zielen der Gruppe. Eine Bühne, auf der nicht Perfektion zählt, sondern Begegnung – und auf der deutlich wird: Kultur verbindet, über Generationen hinweg.

Gruppe "Spielreif"; Ute Schlüchtermann (links), Sabine Distler (zweite von links), Frank Endrich (mit Urkunde), Anja Dechant-Sundby (mit Urkunde), Ute Hopperdietzel (zweite von rechts), mit Mitgliedern der Gruppe

Frank Endrich
Über das Netzwerk „Dialog: Kultur und Demenz“ (www.alterngestalten.de/dialogkultur-und-demenz):
In Bayern sind über 800.000 Menschen älter als 80 Jahre, und rund 270.000 leben mit einer Demenzdiagnose. Kulturelle Teilhabe ist für diese wachsenden Bevölkerungsgruppen bislang nicht überall selbstverständlich und oft bisher nur eingeschränkt auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet.
Das bayernweite Netzwerk besteht aus den Fachstellen für Demenz und Pflege in Ober-, Mittel- und Unterfranken, Schwaben und Oberbayern, dem Projektträger Curatorium Altern gestalten sowie inzwischen 182 engagierten Akteurinnen und Akteuren aus Museen, Theatern, Musik, Kunst, Natur, Sport und Freizeit, die ihre Angebote alters- und demenzsensibel weiterentwickeln – gemeinsam, kreativ und praxisnah.
Das gemeinsame Ziel: Mehr Teilhabe für hochaltrige Menschen und Menschen mit Demenz im öffentlichen und kulturellen Raum.
Weitere Informationen zur Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken unter www.demenz-pflege-oberfranken.de
Foto: Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken
Quelle: Landkreis Hof







