19. Juni 2021 / Hof informiert...

Hofer Festwochen mit Bildungs- und Kulturangebot vom 20. Juni bis 11. Juli 2021

Hof informiert ...

Hof. 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland 
In ganz Deutschland wird gefeiert – auch in Hof. Juden haben über die Jahrhunderte die Kultur des europäischen Raums entscheidend mitgestaltet. Um dieses reiche kulturelle Erbe und das lebendige, jüdische Leben in Deutschland bekannter zu machen, präsentieren Hofer Akteure ein vielfältiges Programm mit zahlreichen Bildungs- und Kulturangeboten: die Hofer Festwochen vom 20. Juni bis 11. Juli 2021. Mehrere hochinteressante Vorträge mit namhaften Referenten, ein Besuch des jüdischen Friedhofs und der Synagoge in Hof, Ausstellungen, Theatervorstellungen, Lesungen und musikalische Reisen durch das Judentum geben Einblicke in die Vielfalt heutigen jüdischen Lebens in Deutschland.
Bei der Vorstellung des Festprogramms sagte Oberbürgermeisterin Eva Döhla: „Die ausnehmend gute Zusammenarbeit zwischen den Hofer Organisatoren und dem Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Jakob Gonczarowksi hat ein beeindruckendes Programm zustande gebracht. Wie schon beim Schülerwettbewerb zum Schicksal der Juden in Hof vor zwei Jahren wird damit auch das gute Miteinander dokumentiert.“ 
Die offizielle Eröffnung wird vom Streichquartett der Hofer Symphoniker am Montag, 21.6.2021, in der Freiheitshalle mitgestaltet. Dr. Gisela Strunz, als Vorsitzende der Hermann und Bertl Müller-Stiftung eine der Hauptverantwortlichen für das Programm, freut sich auf den Vortrag zu Bayerns fünftem Stamm: „Wir starten mit dem international renommierten Professor Dr. Michael Brenner von der Uni München, der uns aus New York für seinen Vortrag zugeschalten sein wird.“ Damit sei bereits der hohe Anspruch signalisiert, mit dem man an die Planung gegangen sei.
Bereits am Vortag, 20.6.2021, lädt das Theater zu jüdischen Liedern und Geschichten unter dem Titel „Bei mir bist du schejn“ ein. Das musikalisch-literarische Programm wird es noch an einigen weiteren Abenden geben.
„Weil doch noch immer viel Unwissen über jüdische Gebräuche und jüdisches Leben besteht, haben wir ein großes Augenmerk auf Information und Wissensvermittlung gelegt,“ betont Kulturamtsleiter Peter Nürmberger. Deshalb zeige man in einer Serie von Großflächenplakaten, die auf die Festwochen aufmerksam machen sollen, auch ganz einfach symbolische Dinge wie Menora, Kippa oder Gebetsschal. 
Gleich am Mittwoch, 23.6.2021, informieren Prof. Dr. Susanne Talabardon und Rebekka Denz, M.A., von der Universität Bamberg über „Jüdische Gewöhnlichkeit und Besonderheiten gestern und heute“ sowie „Ländliches Judentum in Franken“. Diese Vorträge finden im Museum Bayerisches Vogtland statt. Zeitgleich startet die begleitende Fotoausstellung „Zusammenhalt in Vielfalt – jüdischer Alltag in Deutschland“. Die Wanderausstellung ist Ergebnis des gleichnamigen Fotowettbewerbes. Die Prämierung und Eröffnung hat im März in Anwesenheit der Staatsministerin für Kultur, Prof. Monika Grütters und des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, in Berlin stattgefunden.
Ebenfalls im Museum wird am 6. Juli die in Hof geborene Nicole Henneberg aus Gabriele Tergits Jahrhundertroman „Effingers“ lesen und über die von ihre herausgegebene Autorin informieren, die erst jetzt wieder entdeckt und begeistert gelesen wird. 
Der KulturKreis Hof lädt zu Veranstaltungen über die Familie Mendelssohn ein. Am 24. Juni geht es dabei um Moses, den Ahnherrn und Joseph Mendelsohn, den Bankier, während am 2.Juli der Musiker Felix Mendelssohn Bartholdy im Mittelpunkt steht. Beide Termine finden im LU 7, dem Bildungszentrum der Volkshochschule Hofer Land statt und werden von der Musikschule des Landkreises Hof umrahmt.
Am 25.Juni laden die Sängerin Esther Lorenz und Gitarrist Peter Kuhz zu einer musikalischen Reise durch das Judentum unter dem Titel „Donna, Donna“ ein; ebenfalls im LU 7. 
In der St. Michaeliskirche steht am Sonntag, 27.6.2021, Heinrich Heine unter dem Titel „was soll es bedeuten“ im Mittelpunkt. Pfarrer Dr. Dr. Jürgen Albert wird in seinem Vortrag begleitet von Rudolf von Waldenfels, der die Textstellen liest. Musikalisch zusätzlich bereichert Kirchenmusikdirektor Georg Stanek mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy. 
Die Stellung der Frau im Judentum und ihre Veränderung im Lauf der Zeiten von den Erzmüttern bis heute steht am 29. Juni im Vortrag „Kinder, Küche und Bet Knesset“ von Dr. Antje Yael Deusel, Rabbinerin der Liberalen Jüdischen Gemeinde Mischkan ha-Tfila aus Bamberg im Fokus. Die Veranstaltung findet im LU 7 statt. 
Brigitte Imme ist am 30. Juni in der Münch-Färber-Villa zu Gast. Sie spricht und rezitiert unter dem Titel „Dein Gedicht ist so ein Leuchten wie ich es jetzt in mir fühle“ über die Freundschaft der beiden Lyrikerinnen Hilde Domin und Nelly Sachs.
Am 01. Juli lädt Rabbiner David Goldberg im Namen der jüdischen Gemeinde in Hof zu einem Synagogenbesuch und zur Exkursion zum jüdischen Friedhof ein.
Der Illustrator Alexander Mages liest am 04. Juli im Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach/Saale aus seinem historischen Comic „Jesuran“. Der Comic erinnert an das Leben der jüdischen Familie Jesuran, die 1933 aus Nürnberg nach Brüssel flüchtete. Die gleichnamige Ausstellung „Jesuran“, die ab 12. Juni geöffnet ist, zeigt die Entstehungsgeschichte des historischen Comics und stellt die Familiengeschichte in ihren geschichtlichen Kontext.
Ebenfalls am 04. Juli sprechen der Kulturjournalist und Autor Michael Thumser und der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Hof Dr. Jakob Gonczarowski im Pfarrzentrum Bernhard Lichtenberg über das jüdische Gebet „Kol Nidrei“, das am Vorabend des Jom Kippur gebetet wird. Michael Thumser stellt Max Bruch unter dem Titel „Das Land der Juden ist ein Traum – Der Komponist Max Bruch und sein „Kol Nidrei““ in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Dr. Gonczarowski spricht über das Gebet „Kol Nidrei“ und sein Missbrauch im Nationalsozialismus. Tamara Melikian, Violoncello und Vladimir Plakidin, Flügel umrahmen den Abend mit Werken von Max Bruch und Fanny Hensel. 
Der Autor und Entertainer, Dr. Rolf-Bernhard Essig, erklärt in seinem Erzählprogramm „Die dufte Mischpoke hat Chuzpe!“ den Hintergrund vieler Wörter und Wendungen aus dem Jüdischen, Jiddischen und Hebräischen. Die Veranstaltung findet im LU 7 statt und wird separat für Schulklassen angeboten. 
Am 09. Juli findet der Festakt zur Straßenumbenennung der Hohen Straße in „Wolf-Weil-Straße“ in Anwesenheit der Oberbürgermeisterin statt. 
Gabriele Böttcher, Abteilungsleiterin Integration und Schulprojekte bei der Volkshochschule Hofer Land, betont die herausragende Bedeutung des Projektes in Zusammenhang mit den Kernaufgaben der Volkshochschule. „Mit den Festwochen möchten wir ein Zeichen setzen. Sie stehen für Zusammenhalt und Vielfalt sowie friedliches Zusammenleben. Sie sollen auf  jüdischen Schätze und die Vielfalt des jüdischen Lebens in unserer Gesellschaft. aufmerksam zu mache und dem Abbau von Vorurteilen dienen. Wir danken den Förderern: Demokratie Leben, Hermann und Bertl Müller-Stiftung, Bayerisches Innenministerium, EbFÖG Projektförderung von Vorhaben von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung sowie allen Mitwirkenden.“
Um Anmeldung zu den Veranstaltungen – in Ausnahme der Termine im Theater Hof – wird bis eine Woche vor Veranstaltungsbeginn bei der VHS Hofer Land, Sonja Tenschert (Email: s.tenschert@vhshoferland.de, Tel: 09281 7145-0) gebeten. Der Veranstaltungsflyer steht u.a. unter https://www.vhshoferland.de/ zum Download bereit.

Bildunterschrift: Sie feiern 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland und laden herzlich zu den Hofer Festwochen vom 20. Juni bis 11. Juli 2021 ein: (v.l.n.r.)  Ingrid Ey (VHS Hofer Land, Qualifizierungsberatung/Integrationsprojekte), Andreas Vogel (VHS Hofer Land, Geschäftsführer), Oberbürgermeisterin Eva Döhla, Dr. Gisela Strunz (Vorsitzende des Stiftungsvorstandes der Hermann und Bertl Müller-Stiftung), Peter Nürmberger (Kulturamtsleiter) und Gabriele Böttcher (VHS Hofer Land, Abteilungsleiterin Integration und Schulprojekte).
Foto: Stadt Hof
Quelle: Stadt Hof