Hof. Zu einem Gesprächsabend rund um die deutsche Außenpolitik zog es am Dienstag, den 25. November 2025, interessierte Bürgerinnen und Bürger ins Hofer Rathaus. Mirko Kruppa, Referatsleiter für Inlandskommunikation und Bürgerdialog im Auswärtigen Amt, kam in der rund 90-minütigen Veranstaltung mit den Hoferinnen und Hofern direkt ins Gespräch und beantwortete ihre Fragen. Kruppa war Leiter der politischen Delegation der europäischen Union in Moskau und ist Experte für postsowjetische sowie sino-kulturelle Räume.
Eine ähnliche Veranstaltung stieß bereits in der Vergangenheit auf großes Interesse. Im Juli 2022 kam die damalige Außenministerin Annalena Baerbock anlässlich ihrer Arbeit an einer ersten nationalen Sicherheitsstrategie in die Saalestadt. Deshalb nahm die Stadt Hof das Angebot, einen Gesprächsabend im Townhall-Format abzuhalten, direkt an.
„Wir sehen in unserem täglichen Leben, was Außenpolitik mit unserem Alltag, unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft zu tun hat“, so Oberbürgermeisterin Eva Döhla zu Beginn des Gesprächsabends. Sie lobte Mirko Kruppa als echten Experten und bedankte sich nicht nur, dass er sich die Zeit für einen Besuch in Hof nahm und sein Wissen mitbrachte, sondern auch, dass er Raum für Dialog schaffte und Impulse gab.
Dem eigentlichen Bürgerdialog schickte Kruppa einen kurzweiligen Vortrag vorweg. Dabei behandelte er unter anderem die Fundamente der deutschen Außenpolitik – die NATO, die EU und den Multilateralismus, also die Zusammenarbeit mehrerer Staaten, um grenzüberschreitende Probleme zu lösen und die Verfolgung gemeinsamer Ziele. Er ging aber auch darauf ein, dass die Außenpolitik heute wesentlich von Nicht-Regierungsinhalten, wie der Wirtschaft mit großen Konzernen und Unternehmen sowie Zivilgesellschaftsbewegungen getragen werde. Das trifft zum Beispiel auf die Menschenrechtsbewegung Amnesty International zu, aber auch auf die schwedische Aktivistin Greta Thunberg, die für ihr Engagement in Sachen Klimapolitik berühmt wurde und sich zuletzt gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen stark machte. Das sind Akteure, so Kruppa, die sehr viel mehr Aufmerksamkeit und außenpolitisches Gewicht entwickeln können als so mancher Außenminister oder Außenministerin.
Im Anschluss nutzten die Hoferinnen und Hofer die Möglichkeit, ihre Fragen direkt an den Diplomaten zu richten. So ging es beispielsweise um den Wunsch, dass die Regierung klarer Stellung beziehen soll, wenn Forderungen nach einem Austritt aus der EU laut werden. Aber auch die Arbeit im Auswärtigen Amt selbst weckte die Neugier der Zuhörer. Beispielsweise kam die Frage auf, wie man dort damit umgeht, dass es auch nach Putin wieder Verbindungen mit Russland geben muss – sei es wirtschaftlich oder gesellschaftlich.
Sehr viel Raum nahm an diesem Abend der Krieg in der Ukraine ein. Die Stadt Hof nahm im Vergleich zu anderen kreisfreien Städten überdurchschnittlich viele Geflüchtete auf. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer haben inzwischen in der Saalestadt Zuflucht gefunden. Hierzu sagte Kruppa, dass sich aus seiner Sicht an der Ukraine und der Ukrainepolitik Deutschlands und Europas fest machen würde, in welche Richtung wir künftig gehen werden. Er meinte, dass wir politisch mit Blick auf den Ukrainekrieg Instrumente bräuchten, die jedem ohne Zweifel sagen würden: Die Ukraine wird auf jeden Fall unterstützt.
In diesem Zusammenhang sprach er aber auch über zwei Gegentrends: Zum einen gäbe es eine Ermüdung der Gesellschaften und immer geringere Bereitschaft, Geld für Konflikte außerhalb des eigenen Landes auszugeben. Zum anderen bestehe, so Kruppa, eine Verflechtung und Abhängigkeit mit der Ukraine. Demnach könne Europas Ziel, in wenigen Jahren sicherheitspolitisch in der Lage zu sein einem theoretischen russischen Angriff zu wiederstehen, in der kurzen Zeit nur mit ukrainischer Kooperation und Erfahrung gemeistert werden. Laut Kruppa wird das den politischen Diskurs in den nächsten Wochen und Monaten prägen.
Die Hoferinnen und Hofer zeigten im Laufe des Gesprächsabends deutlich, wie solidarisch man sich hier mit der Ukraine zeigt. So wird am Theater Hof in der aktuellen Spielzeit die Oper „Eugen Onegin“ des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski aufgeführt. Ganz bewusst hat sich Intendant Lothar Krause dafür entschieden, diesen bedeutenden Klassiker des Musiktheaterrepertoires nicht in russischer Originalsprache zu zeigen, sondern auf Deutsch. In der Hauptrolle tritt ein Ukrainer auf. Ein starkes Zeichen aus Hof, dass nicht gegen Russland und seine Bürger im Allgemeinen zielt, sondern deutlich macht, dass man hier hinter der Ukraine steht.
Foto: Stadt Hof: Mirko Kruppa (Referatsleiter für Inlandskommunikation und Bürgerdialog im Auswärtigen Amt), Eva Döhla (Oberbürgermeisterin der Stadt Hof)
Quelle: Stadt Hof







