24. Juni 2026 / Allgemeines

IHK: Hoffnungsschimmer für Hofer Konjunktur verblasst

Michael Bitzinger: Als würde man gegen eine "Fortschrittsmauer" rennen

Bayreuth. Die Wirtschaftsregion Hof steht konjunkturell erneut enorm unter Druck. Das zeigt die aktuelle Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken Bayreuth. Während sich die Bewertung der Geschäftslage kaum verändert, trüben sich die Geschäftserwartungen spürbar ein. Der zu Jahresbeginn aufgekommene Zweckoptimismus ist damit verflogen. Der IHK-Konjunkturklimaindex für die Region Hof fällt um 12 Punkte auf einen Wert von 83 und damit spürbar in den negativen Bereich.

Die aktuelle Geschäftslage in Stadt und Landkreis Hof bleibt annähernd unverändert. 19 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Lage positiv, 26 Prozent negativ. Mit einem Saldo von -7 liegt die Lagebewertung auf einem ähnlichen Niveau wie zu Jahresbeginn (-8). Das Auftragsvolumen im Inland für die vorangegangenen sechs Monate rangiert weiterhin im negativen Bereich, verbessert sich aber spürbar von einem Saldo von -28 auf -10. Bei der Kapazitätsauslastung meldet über ein Drittel der Befragten (36 Prozent) eine nicht ausreichende Auslastung, 29 Prozent berichtet dagegen von voller Auslastung.

Geschäftserwartungen und Investitionen im Sinkflug
Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate trüben sich deutlich ein. 15 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, ganze 40 Prozent mit einer Verschlechterung. Der Saldo stürzt damit regelrecht ab von -2 zu Jahresbeginn auf nun -25 Punkte. 

Während sich die aktuelle Geschäftslage auf niedrigem Niveau stabilisiert hat, sind die Erwartungen spürbar eingebrochen. Der Zweckoptimismus, den die Unternehmen zu Jahresbeginn noch gezeigt hatten, ist angesichts des Iran-Kriegs und der explodierten Energiepreise restlos verflogen. Für die Unternehmen in der Region ist das ein schwerer Rückschlag nach einer ohnehin langen Phase ohne Wachstum, so Michael Bitzinger, Vorsitzender des IHK-Gremiums Hof.

Rückläufige Investitionen und Beschäftigtenentwicklung
Die Investitionsplanungen im Inland verschlechtern sich ebenfalls merklich: Nur 14 Prozent der Unternehmen wollen im Inland mehr, 36 Prozent dagegen weniger investieren. Ähnlich negativ die Beschäftigtenplanungen: Nur 9 Prozent planen einen Beschäftigtenaufbau, während 36 Prozent von einem Rückgang der Belegschaft am Standort ausgehen.

Die Kombination aus schwacher Inlandsnachfrage, steigenden Energiekosten und geopolitischer Unsicherheit zehrt an der Substanz der Unternehmen. Bund und Land müssen jetzt dingend handeln: Bürokratie abbauen, Arbeitskosten senken und Planungssicherheit schaffen, fordert Bitzinger. "Für uns Unternehmer ist es so, als würden wir ständig gegen eine 'Fortschrittsmauer' rennen!"

Bitzinger macht aber auch deutlich: "Längst gehört es offenbar zum guten Ton, Deutschland in Sachen Technologie, Innovation und Zukunftsfähigkeit schlechtzureden. Falsch! Wir sind in diesen Feldern weiterhin sehr stark. Wir müssen diese Stärken aber wieder ausspielen und vor allem muss man uns diese Stärken auch wieder ausspielen lassen!"

Hintergrundinformation:
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. In die Berechnungen fließen die Bewertungen für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate zu gleichen Teilen ein. Ein Indexwert über 100 signalisiert eine gute konjunkturelle Grundstimmung unter den Unternehmen; ein Wert unter 100 zeigt Pessimismus und wirtschaftliche Probleme an. 

Foto: Ochsenphoto - Thorsten Ochs; Michael Bitzinger
Quelle: IHK

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